Ficht
Schön
die Erde ist noch feucht
klare Luft gutes Licht
Sehsinndreifaltigkeit
und dabei mit Daumenmaß
die Entfernung gemessen
zum Blickdicht im Fichtenwald
das jetzt aber so nicht mehr steht
sondern laufend penetriert
in eine Horizontale kippte
und jetzt derart Erdreich markiert
das es auszuheben gilt
von den Totengräbern
die in ihrer Fachsimpelei
stets von keinem Einzelfall sprechen
sondern von Tausenden
in ihrer Region
die sie laufend
in die mehr und mehr
verleibte Erde bringen
bis tief ins Verwesungsgetriebe
das schaumlaut die Leiber
höchst nadelficht strömt.
© Hans Anglberger
Wolkengeburt
der Himmel schwängert
die Erde
am Horizont.
© Claudia Angerer
LandBrachWasser
Kanada 2007
Streuselkuchenland
zerleckt von der Zunge des Eises
Tümpelpfützwasser
ausgesät und ausgekeimt
zerpflückt und zerfischt
geädertes Seeflussland
Sumpfdotterwald
abgeholzt und aufgedreht
Tannenbohrer Kieferndriller
magersüchtiger Birkenschwimmer
Goldrutenschwarm am Horizont -
eingeborenes Wasserland
© Rosa Maria Bächer
Freiheit
Der Tag beginnt
mit Druckerschwärze. Kein Luftzug
vermag die Schlagzeile
aus dem Zimmer zu blasen.
Schon blätterst du irgendwo zwischen
den Zeitzonen. In dem Telefonbuch,
das nur auf deine Oberschenkel passt.
Fort von hier, wo Styroporflocken
vom Himmel schweben und der Atem
der Vögel im vereisten Geäst rasselt.
An jedem dieser Nachthimmel
fehlen uns die warmen Sterne des Südens.
Doch der Tag zeichnet heute
keine Spuren in den Schnee,
keine Wege hinaus.
© Leander Beil
die alte
nur selten noch steht sie am fenster
sieht draußen im garten die jahre liegen
bewacht von gras und modernden äpfeln
alle die worte brachen ihr weg
die früher stabile stützen waren
sie wünscht sich das wort körper zu sein
dann hätte sie hände die dünne luft
um sie her zu beschreiben
© Elisabeth Blöcker